Das Jubiläum: 35 Jahre Ritterturnier in Kaltenberg

1980 traten auf Schloss Kaltenberg erstmals in der Neuzeit wieder Ritter auf, um sich bei einem Turnier im Kampf zu messen.

Seitdem kommen sie jedes Jahr. Wie aus der Eröffnung einer Gastwirtschaft das größte Mittelalterfest der Welt wurde
1980, beim ersten Kaltenberger Ritterturnier, zählte man ganze 16 Ritter auf dem Turnierplatz.

Das begleitende Gauklerprogramm bestand aus einem Geige spielenden Hofnarren und einem Fanfarenzug. Heute, 35 Jahre später, taucht man an neun Tagen im Juli auf Schloss Kaltenberg in eine mittelalterliche Erlebniswelt ein, die ihresgleichen sucht.

Mehr als 1000 Akteure unterhalten das Publikum auf dem weitläufigen Gelände. Man begegnet Narren, Gauklern, Handwerkern, Artisten, Musikern und natürlich auch immer noch Rittern.

Dank all dieser Protagonisten, die in jedem Jahr mit Herzblut dabei sind, ist Kaltenberg längst nicht mehr nur ein aufwändig inszeniertes und choreographiertes Ritterturnier, sondern auch Musik-Festival, Marktplatz, Ritterlager und Speisehalle; eine mittelalterliche Erlebniswelt, die zum Staunen und Mitmachen anregt.

Altes Handwerk kann probiert werden. Kinder testen ihre Geschicklichkeit beim eigenen Kinderturnier, auf fünf Bühnen, über das gesamte Gelände verteilt, lauscht man Musikern, Komödianten und bewundert Tänzer und Artisten, man gruselt sich beim Büßerumzug, wohnt der Bestrafung eines Übeltäter durch Teeren und Federn bei, bis man schließlich freudig erschöpft von all den Sinneseindrücken im großen Biergarten ein König Ludwig Dunkel genießt.

Ganz offensichtlich hatte Luitpold Prinz von Bayern, Initiator der Spiele, 1980 einen Nerv getroffen. Eigentlich sollte das Ritterturnier nur das Fest zur Eröffnung der neuen Gastwirtschaft im Schloss Kaltenberg veredeln. Doch Lanzengänge, das Ringestechen zu Pferd, die Kämpfe Mann gegen Mann mit Schwert, Streitaxt oder Hellebarde begeisterten die Zuschauer derart, dass die Ritter fortan jedes Jahr nach Kaltenberg kamen, die Veranstaltung größer und größer wurde und ein bis dahin nicht gekannter Mittelalter-Boom hier seinen Anfang nahm.

Dabei stand das Turnier 1985 sogar kurz vor dem Aus. Es gab Dauerregen an jedem einzelnen Veranstaltungstag. Doch durch den Bau einer befestigten Arena und die Verlegung der Veranstaltung in den Juli konnte das Kaltenberger Ritterturnier gerettet werden. Besonderes Gespür bewiesen die Veranstalter zudem immer wieder bei der Verpflichtung der Künstler. Mit Jackie Venon und seinen Cascadeurs Associés kam 1983 die damals bekannteste Pferdestuntgruppe nach Kaltenberg.

Heute leitet Mario Luraschi, der mit seinen Pferden bereits in über 400 Filmproduktionen mitwirkte, das Turnier in der Arena. Anfang der Neunziger Jahre holte man eine noch junge unbekannte Musikgruppe aus dem Berliner Osten nach Kaltenberg: Corvus Corax. Mit ihren mitreißenden Rhythmen revolutionierten die Kolkraben ein Genre, das bis dahin im Dornröschenschlaf gelegen hatte. Heute weiß jeder, dass das Mittelalter musikalisch richtig rockt.

Wenn es eine Konstante im Kaltenberg gibt, dann die, dass die Veranstaltung nie stehengeblieben ist. Jedes Jahr versucht man Neues auszuprobieren, Dinge zu verbessern, aus Fehlern zu lernen. So auch in diesem Jahr, in dem die musikalischen Top-Acts erstmals ein ganzes Wochenende lang auftreten oder in der Arena-Show erstmals zwei Sprecher das Publikum durch die Geschichte führen. Vergangenes Jahr wurde die Walhall, eine große Speisehalle, eingeweiht, nächstes Jahr wird die Arena überdacht. Stillstand? Fehlanzeige.

So wurde Kaltenberg zu dem was es heute ist: das größte Mittelalterfest der Welt.

Meilensteine
1980 – Das erste Turnier
16 Ritter zählte man auf dem Turnierplatz. Ihr Anführer: „Der Ritter vom Schwarzen Handschuh". Die Tribünen? Bierbänke. Das Unterhaltungsprogramm: ein Geige spielender Hofnarr und ein Fanfarenzug.

1981 – Englische gegen bayerische Ritter
Stuntprofi gegen Zahnarzt. In den ersten Jahren wagten sich auch Amateure gegen die Profis in die Arena. Die Kämpfe der Bayerischen Ritter gegen die englischen Knights waren jedoch leider meist eine klare Angelegenheit.

1982 – Heinrichs VIII. wilder Ritt
Keine Angst vor verrückten Ideen! Von Anfang an machten die Ritterspiele immer wieder von sich reden. Etwa, als ein Schauspieler im Kostüm des Heinrich VIII. auf einem Elefanten in die Arena reitet.

1983 – Jackie Venon
Noch nie wurde ein Bösewicht so verehrt wie Jackie Venon in der Rolle des Schwarzen Ritters. Mit spektakulären Stunts verzauberten die Cascadeurs Associés, die damals beste Stunttruppe, das Kaltenberger Publikum. Noch heute ist die Figur des Schwarzen Ritters der Publikumsliebling in Kaltenberg.

1986 – Bau der Arena
70 Meter lang, 30 Meter breit, Platz für fast 10.000 Menschen. Mit dem Bau der Arena wurde der Grundstein für das Kaltenberger Ritterturnier gelegt, wie wir es heute kennen.

1988 – Fackelschein
Die erste Abendveranstaltung in Kaltenberg. Ein besonderes Erlebnis für das Publikum, eine besondere Herausforderung für die Ritter, deren Sehfeld durchs Visier eh schon eingeschränkt ist. Doch jeder der dabei war wusste hinterher: Nichts geht über eine laue Sommernacht in Kaltenberg.

1993 – Alle mal herhören!
Erstmals treten Corvus Corax in Kaltenberg auf und hinterher ist die Mittelaltermusikszene nicht mehr dieselbe. Mit ihren schwungvollen und tanzbaren Liedern beweisen die Berliner: das Mittelalter rockt!


2005 – Die Kaltenberger Gauklernacht
Die erste Kaltenberger Gauklernacht findet statt. Für viele ist der stimmungsvolle Abend mit besonders vielen Künstlern das Highlight in Kaltenberg. Ein Publikumsrenner, dessen Anziehungskraft ungebrochen ist.

2005 – Mario Luraschi
Immer aufwändiger werden die Shows in der Arena. Mit Mario Luraschi übernimmt ein absoluter Film- und Pferdeprofi die Entwicklung der Choreographien und lässt die alten Sagen um König Arthus oder Siegfried in Kaltenberg lebendig werden.

2009 – Macht Platz!
Zehn Lager, fünf Bühnen, dutzende Marktstände – in dreißig Jahren ist das Gelände des Turniers um das Fünffache angewachsen.

2013 – Walhall
Immer weiter. 2013 wurde mit der Walhall das größte Bauprojekt der letzten Jahre fertig gestellt. Die Speisehalle mit Türmen und Wehrgang ist 14 Meter hoch. 120 Kubikmeter Holz wurden verbaut. Doch die Walhall ist nicht nur architektonisch beeindruckend, richtig gut essen und trinken lässt es sich an den großen Tafeln natürlich auch.

2015 – Überdachung der Arena
Kaum ist ein Turnier vorbei, gilt es die Ideen für das nächste umzusetzen. Die Überdachung der Arena verspricht mehr Komfort fürs Publikum, selbst wenn das Wetter mal nicht so mitspielt.

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